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Ermittlung und Einschätzung der Kapitaldienstfähigkeit

von Dipl.-Bw. Claudia Schurig, Mühl Christ Partner
Management Consulting GmbH, Limburg

Die Kapitaldienstfähigkeit gibt Antwort auf die Frage, ob ein Unternehmen die Zins- und Tilgungsleistungen (= Kapitaldienst) aus den laufenden Einnahmen leisten kann. Dabei gilt die Faustformel, dass die (nachhaltige) Kapitaldienstgrenze höchstens bis zu 75 % ausgelastet sein sollte, um den Liquiditätsspielraum nicht zu sehr einzuengen. Für Kreditinstitute ist diese Kennzahl ausschlaggebend bei der Vergabe neuer Darlehen bzw. der Prolongation bestehender Kredite. Dieser Beitrag veranschaulicht die Ermittlung und Interpretation der Kapitaldienstfähigkeit anhand eines Fallbeispiels. Außerdem können Sie mit unserem Excel-Tool die Berechnung ganz einfach selbst vornehmen:

Excel-Tool zur Berechnung der Auslastung der Kapitaldienstgrenze

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Ausgangssituation

Eine kleine Spedition (GmbH) möchte neue Fahrzeuge anschaffen. Zwei bereits abgeschriebene und abbezahlte Fahrzeuge sollen durch neue ersetzt werden. Finanziert werden soll die Investition durch ein Darlehen der Hausbank oder über die Bank des Fahrzeugherstellers. Vor Aufnahme der Finanzierungsgespräche wird zunächst die bestehende Auslastung der Kapitaldienstgrenze überschlägig ermittelt.

Ermittlung der Ist-Auslastung der Kapitaldienstgrenze

Für die Ermittlung der Kapitaldienstfähigkeit müssen die folgenden Zahlen ermittelt werden:

  1. die Kapitaldienstgrenze (hier in TEUR),
  2. der Kapitaldienst (hier in TEUR) und
  3. die Auslastung der Kapitaldienstgrenze (in % des Kapitaldienstes).

 

Auslastung der Kapitaldienstgrenze per 31.12.10

 

Die Kapitaldienstgrenze ist zu 62 % ausgelastet. Wie ist diese Kennziffer – das Verhältnis zwischen Kapitaldienstgrenze und Kapitaldienst – nun einzuschätzen? Eine Möglichkeit der Einordnung ist Folgende:

 

Bewertung der Auslastung bzgl. der Kapitaldienstfähigkeit

 

Danach ist die Auslastung der Kapitaldienstgrenze mit „befriedigend“ zu bewerten. Die Skala weicht von Kreditinstitut zu Kreditinstitut ab – allerdings nicht wesentlich. Grundsätzlich gilt folgendes Raster: unter 50 % „sehr guter“ Wert, zwischen 50 % und 75 % „vertretbar“, über 75 % „kritisch“. Hinweis: Die vorgestellte Rechnung geht vom sogenannten Praktiker- Cashflow aus. Der Einfachheit halber werden nur die Abschreibungen als Ausgaben, die nicht zu Auszahlungen geführt haben, berücksichtigt. Gehen aus der Gewinn- und Verlustrechnung aber weitere Positionen hervor, die in diese Kategorie gehören (z.B. Zuführungen zu Rückstellungen), können bzw. sollten diese auch berücksichtigt werden. Gleiches gilt für Erlöse, die nicht zu Einzahlungen geführt haben. Entnahmen bzw. Einlagen spielen hier keine Rolle, da es sich um eine GmbH handelt und Ausschüttungen über das Geschäftsführergehalt hinaus für das vergangene Jahr nicht vorgesehen sind.

Merke
In der Literatur wird diskutiert, ob der Zinsaufwand nicht auf die Darlehenszinsen zu beschränken ist. Zudem wird bei der Berechnung der Kapitaldienstgrenze teilweise ein bestimmter Prozentsatz der Abschreibungen als „Polster“ für Ersatzinvestitionen im Vorfeld abgezogen. Auf beide Feinheiten wird hier verzichtet, da es sich nicht um gängige Bankenpraxis handelt.

Ermittlung der Plan-Auslastung der Kapitaldienstgrenze

Bei der Bonitätsbeurteilung spielt die Vergangenheit nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist der Blick in die Zukunft. Für das laufende Jahr 2011 liegen Planzahlen vor, die die beabsichtigte Investition bereits enthalten (Abschreibungen für den Altbestand plus Abschreibungen für die beiden neuen Lkws, Zinsen und Tilgung für das geplante Darlehen). Dabei wurden Anschaffungszeitraum, Zinssatz, Auszahlungszeitpunkt, Laufzeit und Zinssatz für das Darlehen geschätzt.

 

Auslastung der Kapitaldienstgrenze per 31.12.11

 

Die zu erwartenden Erträge aus den Verkäufen der beiden abgeschriebenen Lkws werden bei der Betrachtung außer Acht gelassen, da es sich nicht um nachhaltige betriebliche Erträge handelt (häufige Banker-/Analystensicht!). Der Zinsaufwand erhöht sich durch die zusätzlichen Darlehen. Die Zinsersparnisse durch die weitere Tilgung der bestehenden Annuitätendarlehen fangen die zusätzliche Belastung nicht auf. Die Tilgung schnellt in die Höhe, da u.a. für ein bestehendes Darlehen in 2011 die Tilgung einsetzt. Die Auslastung rutscht nun in Richtung „ausreichend“. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass die Hausbank die Finanzierung ablehnt – wohl aber, dass der Zinssatz mit einem Risikozuschlag versehen wird.

Es mag irritieren, dass sich die Kennzahl „Auslastung der Kapitaldienstgrenze“ bei scheinbar unveränderten Verhältnissen so negativ verändert. Tatsache ist aber, dass die Kosten im Planjahr steigen und diesen kaum Mehrumsätze bzw. eine verbesserte Rohmarge gegenüberstehen. Hier zeigt sich, dass Kostenstrukturen berücksichtigt werden müssen: Weist das Unternehmen hohe Fixkostenanteile auf, die nur schwer abgebaut werden können, hat das negative Auswirkungen auf die Beurteilung.

Fazit

Die Auslastung der Kapitaldienstgrenze ist nicht die einzige Kennzahl, die bei der Bonitätsbeurteilung zählt. Letztlich ist ein Gesamtpaket verantwortlich für das Rating: ein Mix aus der Beurteilung von Abschluss- und unterjährigen Ist-Zahlen, Planzahlen, diversen Kennzahlen, Soft Facts und Branchenwerten. Es ist allerdings häufig so, dass die Entwicklung einer Kennzahl als „pars pro toto“ angesehen werden kann. Eine Kennzahl entwickelt sich negativ – weitere tendieren in die gleiche Richtung.

PDF-Version des Artikels | Excel-Tool zur Auslastung der Kapitaldienstgrenze

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